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AKTUELL

 

Mythos Leipziger Schule
von 1960 bis heute

15. November 2018 bis 24. März 2019


Mit der „Leipziger Schule“ verhält es sich wie mit dem „Leipziger Allerlei“: Alle reden darüber, aber kaum einer weiß so genau, was für eine Suppe man sich da einbrockt oder gar auslöffeln soll. Kein Wunder – hat doch Günter Meißner in seinem Artikel im SONNTAG 10/1972 über die 8. Bezirkskunstausstellung Leipzig mit dem Begriff nur auf einen Trend hinweisen wollen, den es eigentlich schon vorher gab, und zwar nicht nur in Leipzig!
Letztendlich stand auch die Kunst in der DDR unter dem Diktat der Arbeiterklasse, mit dem die allmächtige SED ihren Herrschaftsanspruch verbrämt hatte. Wie in der Politik üblich fuhr man einen Schlingerkurs, auch wenn solch extreme An- und Rauswürfe wie in den frühen 50er Jahren nicht mehr vorkamen. Aber mitunter ist der Stich mit der feinen Klinge des Floretts schmerzhafter als der derbe Hieb mit dem Säbel.
Jedenfalls bedurfte es erst der Stellungnahme Erich Honeckers 1971 auf der 4. Tagung des Zentralkomitees der SED, dass es von der „…festen Position des Sozialismus ausgehend, in Kunst und Literatur formal und inhaltlich keine Tabus mehr“ gebe, um das Diktat des „Sozialistischen Realismus“ tatsächlich zu lockern.
Was 1961 bei der Ausstellung „Junge Künstler/Malerei“ in der Akademie der Künste noch im Fiasko endete, das erfuhr ein Jahrzehnt später erste offizielle Anerkennung: die künstlerische Kritik an den Problemen in der eigenen Gesellschaft. Diese kam vornehmlich von jungen Malern, die an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert hatten.
Bernhard Heisig, 1961 mit gerade mal 36 Jahren zum ersten Mal Rektor dieser Kunsthochschule geworden, hatte gemeinsam mit Gerhard Kurt Müller mit der Einrichtung einer Malklasse für eine fulminante
Neuerung gesorgt, die Wirkung zeigen sollte. 1972 passten dann die äußeren Bedingungen und die malerischen Ergebnisse zusammen, so dass man plötzlich von dem „Kunstzentrum“ Leipzig sprach.
Zwar war es auch weiterhin die Kulturpolitik, die den Rahmen für die künstlerischen Äußerungen in der DDR vorgab oder vielmehr vorgeben wollte, doch in den 80er Jahren hielten sich viele Kunstschaffende nicht mehr daran. In der bildenden Kunst dominierte inzwischen die Expressivität, Adepten schwangen lieber wild den Pinsel als mühselig in Lasurmalerei ihr Thema auf die Leinwand zu bringen. So lockerte
sich das, was man heute die „Alte Leipziger Schule“ nennt, vorteilhaft auf, und das sollte auch mit der sogenannten „Neuen Leipziger Schule“ passieren: Unter diesem vor allem vom Kunstmarkt geprägten Begriff fasst man die Generation junger Leipziger Künstler zusammen, die zu Anfang des neuen Jahrtausends aus dem Schattendasein, das sie nach der Wende geführt hatte, hervortrat und zunächst den US-amerikanischen Kunstmarkt eroberte.
Nicht die Etikettierung einer Arbeit zeichnet ihre Bedeutung aus, sondern ihre künstlerische Qualität. Diese Ausstellung zeigt neben den beiden „Leipziger Schulen“ auch wichtige Bilder von Künstlern, die sich in den von Ideologie und Kulturpolitik geprägten Zeiten allein ihrem Anspruch verpflichtet gesehen haben: die stillen Unspektakulären und die innovativen Aufmüpfigen. Beide passten natürlich nicht in das Schema der nur nach außen hin so „tabulosen“ Kulturpolitik. Mit diesem Ansatz zeigt die Durbacher Ausstellung erstmalig einen breiteren Blick auf das Kunstschaffen in Leipzig von der Frühzeit der  DDR bis in die unmittelbare Gegenwart.

Volker Zschäckel

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Profile in der Kunst am Oberrhein
Heinz Pelz | Roland Spieth

6. Dezember 2018 bis 24. März 2019

Heinz Pelz hat vor rund zehn Jahren die Entscheidung getroffen, ausschließlich auf Papier zu arbeiten. Die Werke, die seither entstanden, sind aber keine Zeichnungen im üblichen Sinn, sondern stellen ebenso wie seine Malereien auf Leinwand oder Metall, Konventionen und Erwartungshaltungen auf den Prüfstand. Es ist ein Kennzeichen des künstlerischen Arbeitens von Heinz Pelz, dass seine Bilder eine Grundfrage der Kunst, die Diskrepanz zwischen dem den Entstehungsprozess prägenden zeitlichen Nacheinander und der optischen Gleichzeitigkeit im fertigen Bild thematisieren. Die Methoden, die er bei seinen Forschungen am Bild anwendet, sind vielfältig, basieren aber alle auf konkreter Erfahrung und einer virtuosen Anwendung der eingesetzten Verfahrensweisen. Er weiß um die Bedeutung der konstituierenden Bildkoordinaten: Format (Bildfläche) und Fond (Bildträger), Farbe (Materialität) und Technik. Aber er weiß auch, dass die Entscheidungen nur einen Prozess in Gang setzen, dessen Ende nicht absehbar ist. Der Aufbau jedes Bildes ist vielschichtig und erwächst aus zahlreichen Arbeitsschritten unter Einsatz unterschiedlichster Materialien, Malmittel, Techniken und Werkzeuge. Der Grund für diese Herangehensweise ist nicht, wie zu erwarten wäre, der Versuch, das Ergebnis möglichst präzise festzulegen, sondern gerade umgekehrt der Wunsch, Bedingungen zu schaffen, die überraschende Bilder ermöglichen. Die Bilder sind deshalb zugleich ausbalancierte Ponderationen und den inneren Gesetzen der Materie folgende Organismen. Wenn Heinz Pelz in der Ausstellung Werke aus den letzten 15 Jahren zeigt, so ist das eine Premiere. Nie zuvor hat er die „schweren“ Schicht um Schicht gewachsenen Ölbilder, die durch ihre offene, aufgesprungene, manchmal gar „aufgestochene“ Bildhaut ebenso wie durch in die Farbmasse eingearbeitete Fremdkörper skulpturale Qualitäten annehmen, zusammen mit den scheinbar vor der Wand schwebenden Lackarbeiten auf Metall und den neuen Arbeiten auf Papier gezeigt.  Charakteristische Bildkonstellationen werden dabei nicht nur in verschiedenen Formaten und Medien vorgestellt, sondern es wird zugleich die grundlegende Veränderung sichtbar gemacht, die schon der Austausch eines einzigen Elements bedeutet.

Roland Spieth ist Maler. Roland Spieth ist aber auch Musiker und wer schon einmal gehört hat, welche filigranen Klangakzente und freischwebenden Tonfolgen er seiner Trompete entlockt, der kann vielleicht seine Bilder nicht nur sehen, sondern auch hören. Verbindendes Element ist die Ablehnung jeder Einengung durch einen strikten Rhythmus oder ein festgelegtes Thema.  An deren Stelle tritt die freie Improvisation, was in der Musik wie in der Malerei nicht nur bedeutet, immer neue Wege einzuschlagen, sondern auch eine besondere Aufmerksamkeit für das bereits Bestehende ebenso wie das Mögliche voraussetzt. Diese Mischung aus Eigensinn und Sensibilität zeigen die in den vergangenen zwei Jahren entstandenen Ölbilder, von denen eine kleine Auswahl hier erstmals zu sehen ist, besonders deutlich. Zweifellos „mehrstimmig“ ist das Bild Strahlung aus dem Jahr 2017, das ein Mit- und Gegeneinander unterschiedlicher Bildebenen auszeichnet. Halt findet das Auge im schichtenweise aufgebauten Farbraum – teilweise wurde in die noch nasse Ölfarbe gemalt, teilweise aber auch nur ganz dünn lasierend weitere Farbebenen darüber gelegt – durch eine feine schwarze Spur, die aus einzelnen, mit der Spitze eines breiten Pinsels getupften kurzen Strichen besteht. Es ist ein Staccato und keine schwungvolle Linie wie in den mit großzügiger Geste gemalten, kraftstrotzenden Temperabildern Spieths aus den späten 80er und 90er Jahren. Der Klang ist leiser und zugleich differenzierter geworden. Wenn jetzt die früher bildbestimmenden Spiralen, Ellipsen- oder Hyperbelformen auftauchen erscheinen sie wie ein fernes Echo im pulsierenden Farbraum. Ebenso entscheidend für die neue Werkgruppe sind aber auch die Erfahrungen, die Roland Spieth in den Jahren gesammelt hat, als er fast ausschließlich mit Tusche, Pastellkreiden und Pigment auf Papier gearbeitet hat und die Kompositionen durch freie Linienformationen geprägt waren. Die Ausstellung ermöglicht es, Beispiele aus den unterschiedlichen Schaffensphasen von Roland Spieth zu sehen und dem Klang der Bilder in seinen zahlreichen Modulationen zu folgen.

Margrit Brehm

zum Download des Ausstellungsflyers, bitte hier klicken

 

KOMMENDE VERANSTALTUNGEN

01.01.19, 15 Uhr | Neujahrsführung durch die aktuellen Ausstellungen

Monatsführung durch die aktuellen Ausstellungen
"Mythos Leipziger Schule"
und "Heinz Pelz | Roland Spieth"


mit Christiane Öztat
Führung 4 €
zzgl. Eintritt (7 bzw. 5 €)

02.01.19, 15 Uhr | Ein Nachmittag mit Frau von H. : "Mythos Leipziger Schule"

Ein Nachmittag mit Frau von H. :
"Mythos Leipziger Schule"
Renate von Heimburg begleitet durch die aktuelle
Wechselausstellung.
Kooperation mit dem Seniorenbüro Offenburg
Eintritt 5 €, mit MuseumsPassMusées frei

23.01.19, 19 Uhr | Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen zur Ausstellung "Mythos Leipziger Schule"

Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen zur Ausstellung
"Mythos Leipziger Schule"
mit Volker Zschäckel/ Leipzig und Thomas Ranft/ Chemnitz
Moderiert von Museumsgründer Rüdiger Hurrle.
Teilnahme frei.

27.01.19, 15 Uhr | Führung durch die aktuellen Ausstellungen

Monatsführung durch die aktuellen
Ausstellungen "Mythos Leipziger Schule"
und "Heinz Pelz | Roland Spieth"
mit Renate von Heimburg
Führung 4 € zzgl. Eintritt (7 bzw. 5 €)

24.02.19, 15 Uhr | Führung durch die aktuellen Ausstellungen

Monatsführung durch die aktuellen
Ausstellungen "Mythos Leipziger Schule"
und "Heinz Pelz | Roland Spieth"
mit Christiane Öztat
Führung 4 € zzgl. Eintritt (7 bzw. 5 €)



Christopher Lehmpfuhl, geb. 1972, Blick auf Staufenberg, 2006,
Öl auf Leinwand,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010

MUSEUM FÜR AKTUELLE KUNST
SAMMLUNG HURRLE DURBACH

Vier Jahreszeiten
Almstraße 49
77770 Durbach, Germany

Tel. +49 781 93201 - 402
Fax +49 781 93201 - 479
mail@museum-hurrle.de

ÖFFNUNGSZEITEN

Mittwoch - Freitag 14.00 – 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag,
an Feiertagen

11.00 – 18.00 Uhr


GESCHLOSSEN an HEILIGABEND, 24.12.
und SILVESTER, 31.12.


Schließung wegen Ausstellungswechsel
vom 5. bis 14. November 2018
und vom 25. März bis 5. April 2019


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