Florian Koehler



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Auf unbekanntem Terrain

Landschaft in der Kunst nach 1945

16. September 2017 bis 4. Februar 2018


Profile in der Kunst am Oberrhein
Ben Hübsch | Martin Kasper

20. Juli bis 1. November 2017


Auf unbekanntem Terrain

Landschaft in der Kunst nach 1945

16. September 2017 bis 4. Februar 2018

Fortschritt und Zeitgeist formen und verändern seit Jahrhunderten unsere Umwelt. Spätestens seit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts vollzieht sich dieser Wandel in reißender Geschwindigkeit. Mit der Expansion des Städtischen haben sich neue Qualitäten und Perspektiven entwickelt, durch die sich Landschaft heute weit über das vordergründig Ländliche hinaus in weite Lebensbereiche erstreckt.
Mit der Zäsur des 2. Weltkrieges erschien das gegenständliche Abbild in der Kunst als nicht mehr zeitgemäß, und für annähernd zwei Jahrzehnte avancierte die Abstraktion zur dominierenden Weltsprache in der Kunst. Trotz dieses radikalen Bruches blieb das Motiv der Landschaft eine wichtige Referenz und wird in einer Vielzahl ungegenständlicher Werke reflektiert.
Zu dieser Zeit trat zur geografisch definierten Landschaft ein neuer, sozial und kulturell konstruierter Landschaftsbegriff hinzu. Er orientiert sich weniger an einer physisch realen Situation, sondern es handelt sich vielmehr um eine Interpretation der wahrgenommenen Welt, die durch Prägung und Erfahrung bestimmt ist. Durch ihn konnte die Landschaft in den Nachkriegsjahren in Bereiche des Ungegenständlichen vordringen, bevor sie zu Beginn der sechziger Jahre als erkennbares Motiv in die Kunst zurückkehren sollte.

In vier Kapiteln und mit über 100 Werken verschiedenster Künstler spürt die von dem Berliner Kunsthistoriker Ronald Puff kuratierte Ausstellung der Reflexion von Landschaft in der Kunst seit 1945 nach und lässt Schritt für Schritt sichtbar werden, wie sie sich vom mimetischen Abbild hin zu einer Vorstellung entwickelte, die sich jenseits des Abbildes manifestiert.

Den Auftakt zur Ausstellung bildet das Kapitel Dokument, das sich der Objektivität und den Facetten des Realismus in der Landschaftsdarstellung zuwendet. Dabei reicht das Panorama über fotografische Arbeiten von Michael Wesely und Ottmar Hörl bis zum brillanten Hyperrealismus von Bernd Schwering und Andreas Orosz.
Die unter der Überschrift Expression versammelten Positionen zeichnen ein Landschaftsbild, in dem das Motiv zum Spiegel eines weitreichenden Diskurses wird. Beispielsweise wird die politische Lage der BRD oder die Situation des geteilten Berlin ebenso reflektiert wie das gesellschaftliche und kulturelle Umfeld innerhalb der DDR. Hiervon entwerfen die kraftvollen Werke von unter anderem Georg Baselitz, K.H. Hödicke, Wolfgang Mattheuer oder Hans Scheib ein aufschlussreiches Bild.
Schließlich widmet sich das Kapitel Poesie, das als letzte Station dem augenfälligen Abbild von Landschaft verpflichtet ist, den nichtsprachlichen, poetischen Qualitäten.
In den berührenden Werken von Gerhard Altenbourg, Horst Janssen und Richard Oelze eröffnen sich Landschaften, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion oszillieren und deren Ausdruckskraft sich dem rational Fass- und Beschreibbaren entziehen.
Diese Werke bilden die Brücke zum Abschluss der Ausstellung mit dem Titel Jenseits des Abbildes, in dem herausragende Werke der Nachkriegsmoderne, von Willi Baumeister über Bernard Schulze und Gotthard Graubner bis zu bedeutenden Positionen der Gegenwart wie Pia Fries, Per Kirkeby, Olav Christopher Jenssen, Hanspeter Münch und Eugene Leroy zeigen, dass Landschaft auch in der Ungegenständlichkeit ein wichtiges und reflektiertes Thema darstellt, das über sich selbst hinausweist.

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Profile in der Kunst am Oberrhein

Ben Hübsch | Martin Kasper

20. Juli bis 1. November 2017

Ben Hübsch schreckt vor nichts zurück. Furchtlos kombiniert der Maler Pink mit Rot, Violett mit Orange, verwendet Leuchtfarben, Silber und Gold, Rosa- und Grüntöne. Aber auch Primärfarben oder edle Grautöne finden sich in seinen Bildern wieder. Die anarchisch anmutenden Farbkombinationen bringen die Bilder, die statisch und seriell angelegt sind, in Bewegung. Hierdurch ergeben sich je nach Blickwinkel neue Hierarchien: Die Frage nach Figur und Grund stellt sich immer neu. In den früheren Arbeiten ist jedem Band eine bestimmte Farbe zugeordnet, ebenso wie jedem der zwischen den Bändern entstehenden Formen oder Kreissegmente. So ist jede Form durch ihre Farbgebung scharf von der anderen abgegrenzt, wobei kein Farbton sich im Bild wiederholt.
Seit der Jahrtausendwende kommt Bewegung in die Bänder, sie können Wellen schlagen und sich krümmen. Anstelle der Farbflächen treten Farbverläufe, die teilweise durch lasierende Farben überdeckt werden. So werden die Bilder energiereicher, unruhiger und der optische Effekt verstärkt sich, so dass einzelne Formen für das Auge des Betrachters bald zurückzuweichen, dann aber wieder in den Vordergrund zu treten scheinen.
Hintergrund von Hübschs Arbeit ist eine grundlegende Hinterfragung des Begriffs der Abstraktion. Schon früh setzte er ihn in den Zusammenhang mit dem Ornament. Die weitere Auseinandersetzung mit der Konkreten Kunst führte ihn unter vielen anderen auch zu Esoterikern und ihren Darstellungen von übersinnlichen Dingen. Aus immer neuen Blickwinkeln stellt der Künstler die Abstraktion als große Erfindung des letzten Jahrhunderts in Frage. Hierbei sind seine Bilder durch ihre prägnante Farbigkeit kraftvolle Erscheinungen, die aus der Distanz ein gewisses Augenzwinkern nicht verhehlen.

Martin Kasper entwirft Räume. Diese menschenleeren Räume – meist Innenräume wie Museumsgalerien, leere Affenhäuser, Flure, Kinos, Treppenhäuser, aber auch Außenarchitekturen – muten manches Mal nahezu geometrisch-abstrakt an, zerfallen in konstruktive Bestandteile. Obgleich verlassen, sind diese Räume voller Präsenz: Reste menschlicher Anwesenheit wie Bänke, Stapel von Stühlen und anderes verstreutes Mobiliar zeugen von denen, die gegangen sind und vielleicht wiederkommen werden. Und natürlich ist der Betrachter selbst im Bild präsent, wird von ihm vereinnahmt und macht sich unwillkürlich seine Gedanken: Was ist geschehen, dass die Räume verwaist sind? Woher kommt das diffuse Licht, durch das der Raum in Szene gesetzt wird, was erzeugt die beunruhigende, spannungsgeladene Atmosphäre, da die Darstellung doch ruhig ist und wie aus der Zeit gefallen wirkt? Kurz, die Raumdarstellungen Kaspers werfen Fragen auf, die sie nicht beantworten, und so ist es letztlich auch mit seinen Porträts: Das Rätselhafte und bei aller Frontalität doch Unzugängliche zeigt sich besonders deutlich in der Serie von Porträtierten mit geschlossenen Augen, aber auch die mit geöffneten Augen Dargestellten lassen den Betrachter außen vor. Nicht, dass ihr Ausdruck abweisend wäre – ihre ruhige Mimik und die starre Haltung ohne Bodenhaftung scheinen vielmehr zu signalisieren, dass dies die Grenze zu einer eigenen Welt ist. Der Betrachter darf sie anschauen, aber er blickt nicht dahinter.

Die auf den ersten Blick so gegensätzlich anmutenden künstlerischen Ansätze der beiden befreundeten Freiburger Maler lassen sich tatsächlich zusammenführen, wie Ben Hübsch und Martin Kasper in zahlreichen Gemeinschaftsarbeiten unter Beweis stellen. Entweder hinterlegt Hübsch die Porträts Kaspers mit seinen geometrischen Farbklängen, oder er füllt ihre Silhouette aus, während Kasper den sie umgebenden Raum malt. Oder aber das Porträt tritt ausschnittsweise an die Stelle der Farbverläufe, die in Hübschs Arbeiten die Formen füllen. Und verblüfft steht man vor den Bildern, vor Hübschs wagemutigen Farborgien, vor Kaspers atmosphärisch-gedämpften Räumen und stellt fest, dass es funktioniert: „Happy together“ (so der Titel einer Gemeinschaftsarbeit).


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